Bericht 16.08.10

Transbolivia

Liebe Familie, Freunde und Leserseit Potosi ist so viel Zeit verstrichen....auf unserer Reise durch Bolivien haben wir so vieles erlebt, wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen euch zu berichten.Da wir uns nach etwas Waerme und Gruen sehnten, entschieden wir uns um und fuhren anstatt nach Oruro nach Sucre weiter. Auf dem Weg dorthin begegneten wir Philipp aus Ebikon, ebenfalls mit seinem Fahrrad unterwegs. So schlossen wir uns zu einer Dreierschaft zusammen und pedalten gemeinsam in 2 Tagen in die "weisse" fruehere Hauptstadt Boliviens. Dort stiess Annette, Philipps Reisekameradin zu unserer Gruppe dazu. Sie hatte mit Philipp die Veloreise in Chile begonnen, war aber wegen den schlechten Schotterpisten und dem strengen Gelaende um Uyuni auf den Bus umgestiegen. Wir ermunterten Annette, es nochmals mit dem Velo und uns Dreien zu versuchen und so reisten wir zu viert in Richtung Cochabamba in tiefere Lagen weiter. Es war spannend und sehr abwechslungsreich, aber auch fordernd in einer Gruppe unterwegs zu sein.

Die lustigen, heiteren Campingnaechte zusammen werden wir so schnell nicht vergessen. Auf diesen Etappen zeigte sich uns ein ganz neues Bolivien. Es ist unglaublich, wie sich die Strassen in diesem Land durch Taeler und tiefe Schluchten winden, ueber Berge und Paesse ziehen. Teilweise genossen wir sehr guten Asphalt, andermal holperten wir im Schneckentempo ueber Schotterpisten und einmal stand sogar "Empiedrado" auf dem Programm. In unvorstellbar muehseliger Arbeit wird in diesem Fall die Strasse mit Pflastersteinen ausgelegt. Nicht fuer ein paar hundert Meter- nein, die Strecke ist 70km lang. Schon nach 300 Metern auf dieser Unterlage war uns klar, dass wir uns dies nicht antun wuerden! Unsere Hinterteile und Handgelenke haetten das nicht ueberlebt. So planten wir, mit einem Lastwagen mitzureisen und sehr schnell hatten wir einen Chauffeur ueberzeugt, uns hinten auf den dreihundert geladenen Zementsaecken mitzutransportieren. Wir waren so gluecklich, in flottem Tempo ueber das Horror-Empiedrado hinwegzubrausen! Den Wind in den Haaren, eine wunderbare Aussicht von der Ladeflaeche....wir fuehlten uns so frei!KRACKKKK!.....gerade als der Camion sich wieder einen Pass hinaufzuschrauben begann, knackte es laut in der Hinterradachse! Sofort wurde angehalten und der Chauffeur begutachtete den Schaden. Sein Blick verhiess nichts Gutes! Was fuer ein Glueck, dass er uns mitgenommen hatte. Bald schon lagen Chauffeur, Philipp (Metallbaufachmann) und MichiMechi unter dem Laster und gaben alles um die Weiterfahrt zu ermoeglichen. Eine Stabilisationsstrebe war gebrochen und musste "geschient" werden, sodass sich das Radpaar nicht immer wieder schraeg gegen die Fahrspuhr stellte. Nach 3 Stunden konnte die Fahrt weitergehen.....jedoch bereits nach 3km war alles wieder beim Alten. Das mit Gummiriemen befestigte System hielt nicht! Wieder krochen die Maenner unter den Laster.....Stunden vergingen...es wurde langsam dunkel...die Mechaniker waren verdreckt, verstaubt und erschoepft. Eigentlich haetten wir schon lange am Zielort eintreffen muessen. Erst als Michis Ratschlag befolgt wurde und das gebrochene Teil auf das unwichtigere hintere Raederpaar montiert wurde, konnte die Fahrt weitergehen. Anstatt 3 hatte die Reise 9 Stunden gedauert, trotzdem waren wir froh, dass wir diese Strasse nicht mit den Velos befahren mussten.Von Cochabamba fuhren wir in 2 anstrengenden Tagen aufs Altiplano zurueck, das trockene und staubige Klima mit seinen eisigen, kalten Naechten hiess uns wieder willkommen. Haetten wir gewusst, dass die letzten 200km bis nach La Paz so verkehrs- und abgasreich sind, haetten wir wahrscheinlich den Bus genommen. Doch so bissen wir auf die Zaehne, traten in die Pedalen und erreichten erschoepft El Alto, von wo sich eine fantastische Aussicht auf die in einen Talkessel gebaute bolivianische Hauptstadt bietet.In La Paz angekommen, genossen wir es durch die Maerkte zu schlendern, fuellten alle unsere aufgebrauchten Energiereserven wieder auf und knieten uns rein ins Stadtleben.

Da wir eigentlich in Bolivien gar nicht so viel mit den Fahrraedern reisen wollten, hatten wir richtig Lust auf eine Abwechslung.Also packten wir unsere Rucksaecke und engagierten einen Guide. Zusammen mit Annette nahmen wir den 6 taegigen Yunga Cruz Trek in Angriff. Wir wanderten auf 4200 Meter los, begaben uns ueber eine steile Flanke des Illimani auf 5000 Meter und stiegen dann langsam in tiefere Regionen ab. Von den Schneebergen kamen wir hinab in feuchte, warme Nebelwaelder. In Chulumani unserem Ziel, wachsen Orangen, Mandarinen, Bananen, Kaffee und es ist eines der wichtigsten Coca Anbaugebiete Boliviens.Erholung hatten wir dringend noetig, wurden wir auf dem Trek doch maechtig gefordert. Mussten wir uns zu Beginn mit unseren schweren Rucksaecken steile Haenge in duenner Luft hochkaempfen und unangeseilt ueber gefaehrliche, exponierte Absaetze hinunterklettern, wurden die Pfade weiter unten immer feuchter, rutschig und verwachsen.So reisten wir per Bus, Minibus und Taxi von Chulumani muede und verschwitzt nach Coroico, einem kleinen verschlafenen Oertchen auf 1700 Meter, mit einem wunderbar angenehmen Klima. Doch von verschlafen war keine Rede! Wir hatten prompt das Wochenende erwischt, an dem ein grosses Musikfestival stattfand und tausende partyhungrige, alkoholabhaengige Bolivianer Coroico ueberfielen! Hotels und Hostals waren voll belegt, die Zimmerpreise schossen in die Hoehe und so verbrachten wir die erste Nacht im Zelt, irgendwo in einer ruhigen Nebenstrasse auf einem Grasplaetzchen. Am naechsten Morgen brachen wir unser Notlager ab und zuegelten zu unseren Freunden Livia und Olivier, die wir in Argentinien kennengelernt hatten. Sie bewohnten schon seit einiger Zeit ein herziges Cabaña und durch ihre guten Beziehungen konnten wir das Nachbarhaeuschen beziehen.Es war paradiesisch! Wir genossen die Ruhe, das sehr angenehme Klima und die vielen Fruechte die im Garten rundherum wuchsen. Da wir sogar eine eigene Kueche hatten, kochten und bucken wir jeden Tag. Zusammen schlemmten wir auf der Terrasse das selbst gebackene Brot, Zopf, Russenzopf und den Schokoladekuchen von Olivier! Zwischendurch begaben wir uns runter ins Doerfchen um die entscheidenden Partien der Fussball WM am TV anzuschauen.Nachdem wir uns ergiebig erholt hatten und Spanien schliesslich die WM fuer sich entschieden hatte, planten wir wieder nach LaPaz zurueckzuwandern. Der bekannte "ChoroTrail", ein Inkaweg, fuehrt die Wanderer normalerweise von La Cumbre auf 4700 Meter in 3 Tagen hinunter nach Coroico. Das war fuer uns die Gelegenheit, den Weg in umgekehrter Richtung nach La Paz in Angriff zu nehmen. Am ersten Tag schwitzten wir noch maechtig und wanderten durch ueppiges Gruen. Wir erreichten Sandillani, wo wir beim El Japones, einem 84 jaehrigen Japaner, in seinem wunderschoenen Garten unser Zelt aufstellten. Als die Dunkelheit hereinbarch, schwaermten hunderte von Gluehwuermchen um unser Zelt, ein unvergessliches Erlebnis!Leider muessen wir am 2.Tag den richtigen Weg verpasst haben......nach Wegbeschreibung haetten wir in eine Schlucht hinunterwandern, eine Brucke ueberqueren und nach 3 Stunden einen Weiler erreichen sollen.....dem war aber nicht so. Der Weg wurde immer verwachsener, schmaler und wir mussten ueber umgestuerzte Baumstaemme klettern oder auf allen Vieren unten durchkriechen. Mit unseren voll bepackten Rucksaecken war das gar nicht immer so einfach! Immer wieder verhedderten wir uns im Gestrüpp und Dornen rissen unsere Haut und Kleider auf. Wir waren von oben bis unten mit Dreck versifft, jede Bewegung stach und zwickte. Doch wir sahen immer wieder frische Fussabdruecke und "turistischen" Abfall (Snickerspapier, Tobleronekarton) und so nahmen wir an, dass wir uns doch auf dem richtigen Weg befinden muessen. Doch Stunde fuer Stunde bekamen wir mehr Zweifel. Nach sechs Stunden trafen wir gluecklicherweise auf einen bolivianischen Wanderer, der uns darueber aufklaerte, dass wir nicht auf dem Chorotrail waren. Was jetzt? Sechs harte Stunden in diesem Dschungel zurueckwandern? Nein, dazu hatten wir keine Lust und Energie mehr! Es wurde uns erklaert, dass wir in etwa 2 Stunden Unduavi, ein Kaeffchen an der Strasse nach LaPaz erreichen koennten und so folgten wir dem Weg weiter. Auf einem kleinen abschuessigen Grasfleckchen campten wir nochmals eine Nacht und reisten anderntags auf der Ladeflaeche eines Lastwagens von Unduavi nach La Paz zurueck.Trotz allem hatten wir noch nicht genug Abenteuer.........uns reizte der Berg Huayna Potosi mit seinen 6088 Metern Hoehe! Technisch ist dieser Berg, der nahe bei LaPaz trohnt, einfach zu meistern, man muss nur mit der enormen Hoehe klar kommen. Da wir uns gut aklimatisiert und fit fuehlten, buchten wir eine 3taegige Tour um den Berg mit Guide, und guten Chancen uns nicht zu verlaufen, zu erklimmen.Wir uebernachteten 2 Naechte in Refugios (Huetten), einmal auf 4600 und 5200 Meter. Am Tag vor dem Gipfelsturm wurden wir sogar noch ins Eisklettern und Steigeisenlaufen eingefuehrt. Dann war es soweit, nachts um 1.30 stapfte unsere Seilschaft los: Eliseo der Guide, Silvia in der Mitte und Michi als Schlusslicht. Die Dunkelheit huellte uns ein, nur das Knirschen unserer regelmaessigen Schritte und unsere intensive Atmung war zu hoeren....wir fuehlten uns wie in Trance.Als wir den letzten Abschnitt vor dem Gipfel erreichten, war immer noch stockdunkle Nacht. Eliseo hatte uns etwas langsamer eingeschaetzt und wir mussten noch eine halbe Stunde in klirrender Kaelte ausharren, um puenktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel anzukommen.Noch etwas Kraxeln und Klettern einem Grat entlang und dann standen wir um 6.45Uhr oben! Es war unbeschreiblich wie sich die Sonne langsam von unten her aus den Wolken loeste und ihr oranges Licht auf den schneebedeckten Gipfel schickte. Wir waren uebergluecklich, dass alles so gut geklappt hatte und dass wir gemeinsam und in guter Verfassung den Gipfel erreichten! Wir waren an diesem Tag die ersten Gipfelstuermer und hatten ihn eine volle halbe Stunde fuer uns allein.Unsere Velos mussten mehr als einen Monat in der stillgelegten Bar des Hostals in LaPaz ausharren. Jetzt haben sie aber genug gewartet und moechten endlich wieder Ausgang. Doch es ist schwierig von dieser einzigartigen Stadt wegzukommen, wir fuehlen uns recht heimisch hier. Das haben wir auf unserer Reise vor 12 Jahren schon feststellen muessen. Doch einmal geht es weiter. Bald werden wir an den Lago Titicaca, ueber die Grenze nach Peru pedalen.....wir freuen uns auf neue Erlebnisse und Eindruecke und lehnen uns nochmals richtig in den Reisealltag rein......es bleiben uns noch 2 Monate bis Quito!Wir senden euch liebe Gruesse aus der so grossartigen Stadt LaPaz.Silvia und MichiTransboliviaLiebe Familie, Freunde und Leserseit Potosi ist so viel Zeit verstrichen....auf unserer Reise durch Bolivien haben wir so vieles erlebt, wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen euch zu berichten.Da wir uns nach etwas Waerme und Gruen sehnten, entschieden wir uns um und fuhren anstatt nach Oruro nach Sucre weiter. Auf dem Weg dorthin begegneten wir Philipp aus Ebikon, ebenfalls mit seinem Fahrrad unterwegs. So schlossen wir uns zu einer Dreierschaft zusammen und pedalten gemeinsam in 2 Tagen in die "weisse" fruehere Hauptstadt Boliviens. Dort stiess Annette, Philipps Reisekameradin zu unserer Gruppe dazu.

Sie hatte mit Philipp die Veloreise in Chile begonnen, war aber wegen den schlechten Schotterpisten und dem strengen Gelaende um Uyuni auf den Bus umgestiegen. Wir ermunterten Annette, es nochmals mit dem Velo und uns Dreien zu versuchen und so reisten wir zu viert in Richtung Cochabamba in tiefere Lagen weiter. Es war spannend und sehr abwechslungsreich, aber auch fordernd in einer Gruppe unterwegs zu sein. Die lustigen, heiteren Campingnaechte zusammen werden wir so schnell nicht vergessen. Auf diesen Etappen zeigte sich uns ein ganz neues Bolivien. Es ist unglaublich, wie sich die Strassen in diesem Land durch Taeler und tiefe Schluchten winden, ueber Berge und Paesse ziehen. Teilweise genossen wir sehr guten Asphalt, andermal holperten wir im Schneckentempo ueber Schotterpisten und einmal stand sogar "Empiedrado" auf dem Programm. In unvorstellbar muehseliger Arbeit wird in diesem Fall die Strasse mit Pflastersteinen ausgelegt. Nicht fuer ein paar hundert Meter- nein, die Strecke ist 70km lang. Schon nach 300 Metern auf dieser Unterlage war uns klar, dass wir uns dies nicht antun wuerden! Unsere Hinterteile und Handgelenke haetten das nicht ueberlebt. So planten wir, mit einem Lastwagen mitzureisen und sehr schnell hatten wir einen Chauffeur ueberzeugt, uns hinten auf den dreihundert geladenen Zementsaecken mitzutransportieren. Wir waren so gluecklich, in flottem Tempo ueber das Horror-Empiedrado hinwegzubrausen! Den Wind in den Haaren, eine wunderbare Aussicht von der Ladeflaeche....wir fuehlten uns so frei!KRACKKKK!.....gerade als der Camion sich wieder einen Pass hinaufzuschrauben begann, knackte es laut in der Hinterradachse! Sofort wurde angehalten und der Chauffeur begutachtete den Schaden. Sein Blick verhiess nichts Gutes! Was fuer ein Glueck, dass er uns mitgenommen hatte. Bald schon lagen Chauffeur, Philipp (Metallbaufachmann) und MichiMechi unter dem Laster und gaben alles um die Weiterfahrt zu ermoeglichen. Eine Stabilisationsstrebe war gebrochen und musste "geschient" werden, sodass sich das Radpaar nicht immer wieder schraeg gegen die Fahrspuhr stellte. Nach 3 Stunden konnte die Fahrt weitergehen.....jedoch bereits nach 3km war alles wieder beim Alten. Das mit Gummiriemen befestigte System hielt nicht! Wieder krochen die Maenner unter den Laster.....Stunden vergingen...es wurde langsam dunkel...die Mechaniker waren verdreckt, verstaubt und erschoepft. Eigentlich haetten wir schon lange am Zielort eintreffen muessen. Erst als Michis Ratschlag befolgt wurde und das gebrochene Teil auf das unwichtigere hintere Raederpaar montiert wurde, konnte die Fahrt weitergehen. Anstatt 3 hatte die Reise 9 Stunden gedauert, trotzdem waren wir froh, dass wir diese Strasse nicht mit den Velos befahren mussten.Von Cochabamba fuhren wir in 2 anstrengenden Tagen aufs Altiplano zurueck, das trockene und staubige Klima mit seinen eisigen, kalten Naechten hiess uns wieder willkommen. Haetten wir gewusst, dass die letzten 200km bis nach La Paz so verkehrs- und abgasreich sind, haetten wir wahrscheinlich den Bus genommen.

Doch so bissen wir auf die Zaehne, traten in die Pedalen und erreichten erschoepft El Alto, von wo sich eine fantastische Aussicht auf die in einen Talkessel gebaute bolivianische Hauptstadt bietet.In La Paz angekommen, genossen wir es durch die Maerkte zu schlendern, fuellten alle unsere aufgebrauchten Energiereserven wieder auf und knieten uns rein ins Stadtleben. Da wir eigentlich in Bolivien gar nicht so viel mit den Fahrraedern reisen wollten, hatten wir richtig Lust auf eine Abwechslung.Also packten wir unsere Rucksaecke und engagierten einen Guide. Zusammen mit Annette nahmen wir den 6 taegigen Yunga Cruz Trek in Angriff. Wir wanderten auf 4200 Meter los, begaben uns ueber eine steile Flanke des Illimani auf 5000 Meter und stiegen dann langsam in tiefere Regionen ab. Von den Schneebergen kamen wir hinab in feuchte, warme Nebelwaelder. In Chulumani unserem Ziel, wachsen Orangen, Mandarinen, Bananen, Kaffee und es ist eines der wichtigsten Coca Anbaugebiete Boliviens.Erholung hatten wir dringend noetig, wurden wir auf dem Trek doch maechtig gefordert. Mussten wir uns zu Beginn mit unseren schweren Rucksaecken steile Haenge in duenner Luft hochkaempfen und unangeseilt ueber gefaehrliche, exponierte Absaetze hinunterklettern, wurden die Pfade weiter unten immer feuchter, rutschig und verwachsen.So reisten wir per Bus, Minibus und Taxi von Chulumani muede und verschwitzt nach Coroico, einem kleinen verschlafenen Oertchen auf 1700 Meter, mit einem wunderbar angenehmen Klima. Doch von verschlafen war keine Rede! Wir hatten prompt das Wochenende erwischt, an dem ein grosses Musikfestival stattfand und tausende partyhungrige, alkoholabhaengige Bolivianer Coroico ueberfielen! Hotels und Hostals waren voll belegt, die Zimmerpreise schossen in die Hoehe und so verbrachten wir die erste Nacht im Zelt, irgendwo in einer ruhigen Nebenstrasse auf einem Grasplaetzchen. Am naechsten Morgen brachen wir unser Notlager ab und zuegelten zu unseren Freunden Livia und Olivier, die wir in Argentinien kennengelernt hatten. Sie bewohnten schon seit einiger Zeit ein herziges Cabaña und durch ihre guten Beziehungen konnten wir das Nachbarhaeuschen beziehen.Es war paradiesisch! Wir genossen die Ruhe, das sehr angenehme Klima und die vielen Fruechte die im Garten rundherum wuchsen. Da wir sogar eine eigene Kueche hatten, kochten und bucken wir jeden Tag. Zusammen schlemmten wir auf der Terrasse das selbst gebackene Brot, Zopf, Russenzopf und den Schokoladekuchen von Olivier! Zwischendurch begaben wir uns runter ins Doerfchen um die entscheidenden Partien der Fussball WM am TV anzuschauen.Nachdem wir uns ergiebig erholt hatten und Spanien schliesslich die WM fuer sich entschieden hatte, planten wir wieder nach LaPaz zurueckzuwandern. Der bekannte "ChoroTrail", ein Inkaweg, fuehrt die Wanderer normalerweise von La Cumbre auf 4700 Meter in 3 Tagen hinunter nach Coroico. Das war fuer uns die Gelegenheit, den Weg in umgekehrter Richtung nach La Paz in Angriff zu nehmen. Am ersten Tag schwitzten wir noch maechtig und wanderten durch ueppiges Gruen. Wir erreichten Sandillani, wo wir beim El Japones, einem 84 jaehrigen Japaner, in seinem wunderschoenen Garten unser Zelt aufstellten. Als die Dunkelheit hereinbarch, schwaermten hunderte von Gluehwuermchen um unser Zelt, ein unvergessliches Erlebnis!Leider muessen wir am 2.Tag den richtigen Weg verpasst haben......nach Wegbeschreibung haetten wir in eine Schlucht hinunterwandern, eine Brucke ueberqueren und nach 3 Stunden einen Weiler erreichen sollen.....dem war aber nicht so.

Der Weg wurde immer verwachsener, schmaler und wir mussten ueber umgestuerzte Baumstaemme klettern oder auf allen Vieren unten durchkriechen. Mit unseren voll bepackten Rucksaecken war das gar nicht immer so einfach! Immer wieder verhedderten wir uns im Gestrüpp und Dornen rissen unsere Haut und Kleider auf. Wir waren von oben bis unten mit Dreck versifft, jede Bewegung stach und zwickte. Doch wir sahen immer wieder frische Fussabdruecke und "turistischen" Abfall (Snickerspapier, Tobleronekarton) und so nahmen wir an, dass wir uns doch auf dem richtigen Weg befinden muessen. Doch Stunde fuer Stunde bekamen wir mehr Zweifel.

Nach sechs Stunden trafen wir gluecklicherweise auf einen bolivianischen Wanderer, der uns darueber aufklaerte, dass wir nicht auf dem Chorotrail waren. Was jetzt? Sechs harte Stunden in diesem Dschungel zurueckwandern? Nein, dazu hatten wir keine Lust und Energie mehr! Es wurde uns erklaert, dass wir in etwa 2 Stunden Unduavi, ein Kaeffchen an der Strasse nach LaPaz erreichen koennten und so folgten wir dem Weg weiter. Auf einem kleinen abschuessigen Grasfleckchen campten wir nochmals eine Nacht und reisten anderntags auf der Ladeflaeche eines Lastwagens von Unduavi nach La Paz zurueck.Trotz allem hatten wir noch nicht genug Abenteuer.........uns reizte der Berg Huayna Potosi mit seinen 6088 Metern Hoehe! Technisch ist dieser Berg, der nahe bei LaPaz trohnt, einfach zu meistern, man muss nur mit der enormen Hoehe klar kommen. Da wir uns gut aklimatisiert und fit fuehlten, buchten wir eine 3taegige Tour um den Berg mit Guide, und guten Chancen uns nicht zu verlaufen, zu erklimmen.Wir uebernachteten 2 Naechte in Refugios (Huetten), einmal auf 4600 und 5200 Meter.

Am Tag vor dem Gipfelsturm wurden wir sogar noch ins Eisklettern und Steigeisenlaufen eingefuehrt. Dann war es soweit, nachts um 1.30 stapfte unsere Seilschaft los: Eliseo der Guide, Silvia in der Mitte und Michi als Schlusslicht. Die Dunkelheit huellte uns ein, nur das Knirschen unserer regelmaessigen Schritte und unsere intensive Atmung war zu hoeren....wir fuehlten uns wie in Trance.Als wir den letzten Abschnitt vor dem Gipfel erreichten, war immer noch stockdunkle Nacht. Eliseo hatte uns etwas langsamer eingeschaetzt und wir mussten noch eine halbe Stunde in klirrender Kaelte ausharren, um puenktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel anzukommen.Noch etwas Kraxeln und Klettern einem Grat entlang und dann standen wir um 6.45Uhr oben!

Es war unbeschreiblich wie sich die Sonne langsam von unten her aus den Wolken loeste und ihr oranges Licht auf den schneebedeckten Gipfel schickte. Wir waren uebergluecklich, dass alles so gut geklappt hatte und dass wir gemeinsam und in guter Verfassung den Gipfel erreichten! Wir waren an diesem Tag die ersten Gipfelstuermer und hatten ihn eine volle halbe Stunde fuer uns allein.Unsere Velos mussten mehr als einen Monat in der stillgelegten Bar des Hostals in LaPaz ausharren. Jetzt haben sie aber genug gewartet und moechten endlich wieder Ausgang.

Doch es ist schwierig von dieser einzigartigen Stadt wegzukommen, wir fuehlen uns recht heimisch hier. Das haben wir auf unserer Reise vor 12 Jahren schon feststellen muessen. Doch einmal geht es weiter. Bald werden wir an den Lago Titicaca, ueber die Grenze nach Peru pedalen.....wir freuen uns auf neue Erlebnisse und Eindruecke und lehnen uns nochmals richtig in den Reisealltag rein......es bleiben uns noch 2 Monate bis Quito!Wir senden euch liebe Gruesse aus der so grossartigen Stadt LaPaz.

Silvia und Michi

 

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Bilder August



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