Letzter Bericht
Liebe Familie, Freunde und Leser
Am Mittwoch 15.September sind wir gluecklich und gesund in Pifo, das in der Naehe von Quito liegt, bei der Familie von Silvias Schwager angekommen. Wir wurden herzlich empfangen und sofort wurde ein schmackhaftes Almuerzo (Mittagessen) mit Suppe, Segundo und Jugo aufgetischt.
Unsere letzten Etappen hatten es in sich, ein 4000 Meter hoher Pass musste ueberquert werden, um vom tief gelegenen Dschungel hinauf auf das ecuadorianische Hochland zu gelangen. Da das Wetter am letzten Tag nicht gut war, mussten wir alle unsere warmen Sachen nochmals aus den Velotaschen hervorkramen, denn auf dem Pass lag sogar ein wenig Schnee und es war bitterkalt. Es musste wohl noch einmal eine letzte Feuerprobe sein!
Nun berichten wir doch besser zuerst von LaPaz in Bolivien, wo wir nach laengerem Aufenthalt losfuhren. So nahmen wir den Aufstieg aus der Hauptstadt 3600M.u.M, nach El Alto 4000M.u.M, in Angriff. Die Hoehe machte uns nichts mehr aus und der Pannenstreifen der Autopista bot sich uns als geeignete, fast private Fahrspur an, so dass wir problemlos das Altiplano erreichten und in Richtung Titicacsee weiterfuhren.
Wir trauten unseren Augen nicht, als wir nach 2 traumhaften Etappen entlang des Titicacasees in Copacabana ankamen. Der Ort war nicht mehr wiederzuerkennen. Vor 12 Jahren bot sich uns ein kleines, verschlafenes Nest mit einigen einfachen Hostals. Heute kann man im SuperHotelkomplex absteigen und sich in der Bar, in der Disco oder in einem der zahlreichen Restaurants vergnuegen und sich verwoehnen lassen.
Das Einzige, das sich nicht veraendert hat, ist der rege Pilgerstrom vor der Kirche im Zentrum, wo Bolivianer und Peruaner ihre bunt geschmueckten Autos und Lastwagen segnen lassen. Nachher sind sie im taeglichen Verkehr wohlbehuetet und mit Gottes Segen beschuetzt unterwegs.
Trotz dem grossen Turistenrummel haben wir Copacabana sehr geschaetzt. Tagsueber machten wir Picknick am See und tankten die warmen Sonnenstrahlen auf, spaeter stiegen wir auf den nahe gelegenen Huegel um den allabendlichen praechtigen Sonnenuntergang zu bestaunen.
Dann ueberquerten wir bereits die Grenze nach Peru, dem Land mit dem Nationalgetraenk INKA-COLA und den Meerschweinchen auf der Speisekarte (genannt Guy). Wir folgten dem Ufer des Titicacasees bis nach Puno. Cusco war unsere naechste grosse Destination. Die Strecke wurde eher flach, doch ein leichter, konstanter Gegenwind sorgte dafuer, dass es uns nicht langweilig wurde und das Velofahren genug anstrengend war. Noch einmal mussten wir einen Pass ueber 4000 Meter bezwingen, 25km danach wurden wir mit heissen Quellen belohnt. Mit unzaehligen peruanischen Familien planschten wir im wohlig warmen Thermalwasser. Einige Becken waren so heiss, dass unsere Muskeln regelrecht gekocht wurden! Waehrend unsere Beine ausspannten, mussten unsere Gehirne tuechtig arbeiten, denn die Peruaner sind sehr offene und neugierige Leute und verwickelten uns sofort in Gespraeche oder fragten uns Loecher in die Baeuche. Auch mussten wir fuer Fotos mitposieren; europaeische Bleichgesichter sind anscheinend sehr gefragt auf Familienbildern.
In Cusco goennten wir uns eine mehrtaegige Pause. Die Stadt hat einen ganz besonderen Charme mit den vielen kolonialen Bauten und den dicken Inkamauern, die vielen Haeusern als erdbebensichere Fundamente dienen. Das Klima ist milder als auf dem Altiplano und Gruen ist wieder vermehrt auf dem Landschaftsbild vertreten. Um moeglichst viele Inkastaetten besichtigen zu koennen, begaben wir uns auf einen Rundkurs durch das Valle Sagrado (heiliges Tal). Einige Tage genossen wir die ideale Mischung aus Velofahren und Sightseeing.
Waehrend dieser Zeit bereiteten wir uns mental bereits auf unsere bevorstehende Route durch die peruanischen Anden vor. Doch wir merkten beide, dass uns die Motivation und Begeisterung fuer weitere lange Strecken durch eher schwieriges Terrain fehlte und wir schmiedeten kurzerhand neue Plaene. Wir wollten uns langsam aber sicher Ecuador naehern.
Die Panamericana in Nordperu kannten wir bereits und wir hatten keine Lust auf tagelanges Velofahren in oeder Kuestenlandschaft auf gefaehrlicher Strasse. So pedalten wir nach Cusco zurueck und starteten abends die 22stuendige Busfahrt nach Lima. Danach setzten wir uns gleich fuer weitere 20 Stunden in den Bus nach Piura. Nun befanden wir uns ganz nah an der Grenze zu Ecuador und wir genossen das warme, tropische Klima das uns hier begruesste.
Sobald wir die Grenze nach Ecuador ueberquert hatten, richteten sich die Berge vor uns auf. Michis Tacho zaehlte fleissig die Hoehenmeter und der Schweiss floss in Stroemen. Trotzdem genossen wir es in vollen Zuegen, denn wir hatten verkehrsarme Strassen gewaehlt und fast jeden Abend fanden wir ein schoenes Hotelzimmer mit erfrischender Dusche.
Der letzte Reiseabschnitt fuehrte uns in den Oriente, das Gebiet oestlich der Anden, das sich ins Amazonasbecken ausbreitet. Es wurde “ueppig” und “tueppig”. So radelten wir oefters einem Fluss entlang, mal rechts eine Papayaplantage, mal links ein Bananenhain, dann eine ueberfahrene Schlange auf der Strasse.... Wir planten unsere Etappen so, dass wir um den Mittag am Ziel ankamen und waehrend der groessten Hitze und eventuellem Regen im Hotel eine Siesta geniessen konnten.
Hier in Pifo haben wir uns gut eingelebt und werden sehr verwoehnt und ins Familienleben integriert. Die Velos sind flugfertig in Schachteln verpackt und wir sind bereit fuer den naechsten Sonntag, wenn Michis Mami und ihr Lebenspartner Thomas in Quito landen. Mit ihnen zusammen fliegen wir zuerst in den Dschungel. Weiter geht die gemeinsame Reise nach Baños und Cuenca, wo einige Wanderungen geplant sind. Danach besuchen wir noch die Galapagos Inseln auf einer 8-taegigen “Kreuzfahrt”. Dies wird sicher ein wuerdiger Abschluss unserer genialen Reise.
In letzter Zeit haben wir nicht nur die Pedalen gedreht, sondern uns auch mit der Rueckkehr in die Schweiz befasst. Bereits aus der Ferne haben wir mit Hilfe von Michis Mutter eine neue Wohnung gefunden. Sobald wir in der Schweiz ankommen, werden wir nach Maennedorf zuegeln. Wir freuen uns, dass wir nahe bei Familie und Freunden in einer so schoenen Gegend wohnen werden.
Dies ist unser letzte Reisebericht. Wir hoffen, ihr hattet Freude und Spass unsere Texte zu lesen. Vielleicht haben wir einige von euch “gluschtig” gemacht und angespornt, Schritte in die weite Welt zu tun. Wir koennen es sehr empfehlen, auf sanfte Art andere Laender zu bereisen und sie zu erforschen. Falls ihr Fragen habt oder Tipps braucht, sind wir gerne bereit, euch so gut wie moeglich zu informieren.
Wir sind so froh, dass unsere Reise wunderschoen und heil verlief. Wir hatten viele gute Begegnungen und Gespraeche mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen, konnten neue Freunde gewinnen und die Natur war uns sehr nah. Unfall oder Diebstahl war kein Thema bei uns, und gluecklicherweise wurden wir auch von Krankheit verschont und konnten so unsere Reise voll und ganz geniessen. Unser Tacho zeigt 12'550km/ 141'000 Hoehenmeter an und wir hatten zusammen 3 Plattfuesse zu flicken, die alle von fiesen, dicken Naegeln verursacht wurden.
Ein herzliches Danke an euch alle, die uns mit Mails begleitet und unterhalten haben, es war wichtig fuer uns, von der Heimat zu hoeren und zu wissen, dass jemand an uns denkt.
Jedes noch so kleine Mail hat uns sehr gefreut!
Ein grosses Danke an unsere Familien, die viele administrative Dinge fuer uns erledigt haben und fuer uns da waren!
Wir freuen uns aufs Wiedersehen!
Bis bald- hasta luego!
Silvia und Michi