Bericht17.9.2009

Liebe Freunde und Familie.

Die letzten Tage vor unserer Abreise verbrachten wir bei Silvias Eltern in Uetikon. Dort sahen wir am Fernsehen eine Doku ueber die Wiederansiedlung von Baeren in den franzoesichen Pyrenaeen. Fuer Silvia war deshalb sofort klar, dass wild campieren dort viel zu gefaehrlich waere und wir dies dann zu unterlassen haetten, Michi entgegnete damals, es sei wohl wahrscheinlicher im Lotto einen 6er zu landen als in den Pyrenaeen auf einen Baeren zu treffen.

Viele Tage und viele Velokilometer spaeter, im Aufstieg zum Col de Menté, dem dritten Col an diesem Tag, mit ueber 2000 Hm in den Beinen und ohne Aussicht einen Campingplatz zu erreichen, machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz um die Nacht zu verbringen. Alsbald fanden wir einen einigermassen ebenen Ort im Wald mit etwas Gras und ohne groessere Loecher im Boden. Das Zelt war schnell aufgestellt, die Matten aufgepumpt und das Nachtessen zubereitet.

Es dämmerte bereits als wir ihn hörten.......

Seine unheimlichen Geräusche liess uns das Blut in den Adern gefrieren und fuer einen Moment erstarrten wir vor Angst und Ueberraschung. Erst langsam wurde uns bewusst, dass dieses laute, voluminoese und uns völlig unbekannte Brüllen nur von einem Bären stammen konnte. Wir konnten den Bär nicht ausmachen im Wald, er befand sich jedoch in unmittelbarer Naehe unseres Zeltplatzes, hoechstens 100 Meter entfernt.

Das Adrenalin flutete unsere Koerper als wir in den Velotaschen nach unseren Pfeffersprays suchten. So bewaffnet standen wir ratlos da und harrten der Dinge die kommen mochten. Nach weiteren bangen Sekunden hoerten wir wie sich der Baer langsam trollte und seine Laute und Schritte leiser wurden, bis wir ihn schliesslich nicht mehr hoerten.

Silvia wollte dann sofort zusammenpacken und abhauen - nur wohin bei anbrechender Dunkelheit?

Mangels Alternativen fuegten wir uns unserem Schicksal, verkrochen uns ins Zelt und verbrachten eine unruhige Nacht mit sehr wenig Schlaf.

Abgesehen von diesem Zwischenfall genossen wir unsere Fahrt durch die Pyrenäen.

Die Pässe die sich uns auf dem Weg nach Westen in den Weg stellten hiessen Col de Port, Col de la Core, Col de Portet d'Aspet, Col de Menté, Col de Peyresourde, Col d'Aspin, Col du Tourmalet, Col du Soulor und Col d'Aubisque. Wir teilten die Strassen mit vielen Gümmeler und trafen auch dann und wann mal auf Tourenfahrer.

Das Wetter verschlechterte sich jedoch zusehends, und auf dem Col d'Aubisque hatten wir null Sicht und es war sehr kalt.

In Laruns checkten wir im Internet die Wetterprognosen für die nächsten Tage. Leider kündigte Meteo France eine grössere Störung mit viel Niederschlag an, die vom Atlantik herkommend ueber das Baskenland und die Pyrenäen hinwegziehen sollte.

Am Abend unterhielten wir uns mit Iris und Abraham, einem Velotourenpärchen aus Spanien die uns als bald spontan auf einen Besuch bei ihnen einluden.

Es fiel uns deshalb leicht, unsere Pläne ueber den Haufen zu werfen und folgten den beiden ueber den Col de Pourtalet nach Jaca am Fusse der spanischen Pyrenäen.

Sie haben uns im Ferienhaus von Iris' Eltern einquartiert und so schliefen wir seit ueber einem Monat wieder einmal ein einem richtigen Bett und haben ein festes Dach ueber dem Kopf. Danke Iris und Abraham!

Gestern kamen wir in den Genuss einer typischen spanischen Cena, mit Tortilla de patatas, ensalada de aguacates y tomates sowie pan mit jamón y queso de abeja und hausgemachter Tomatenkonfituere.......und dies zu fortgeschrittener Stunde um 21.30 Uhr!!!! - an den spanischen Essensfahrplan mit desayuno, almuerzo, comida, merienda und cena muessen wir uns erst noch gewöhnen.

Ihr seht, es geht uns sehr gut und wir sind sehr dankbar um die angenehmen Umstände hier nach den harten Tagen in den Bergen.

Da wir Frankreich nun wohl definitv verlassen haben ist es Zeit um kurz Bilanz zu ziehen.

Fazit: Fuer uns ist Frankreich DAS Veloreiseland schlechthin.

- Es gibt sehr viele Campingplätze unterschiedlicher Preis- und Qualitaetsklassen

- Es hat sehr viele Gites d'Etappe (Zimmer bei Privat, Bauernhof...) Hotels etc.

- Die Autofahrer verhalten sich den Velofahrern gegenueber aeusserst ruecksichtsvoll, auf Nebenstrassen hat es sehr wenig Verkehr (mehr waehrend der Ferienzeit), die Strassen und Ortschaften sind sehr deutlich beschildert sodass man sich nicht verfahren kann.

- Die Bevölkerung ist auessert freundlich und sehr hilfsbereit

- Die Lanschaft ist einfach traumhaft und sehr abwechslungsreich

- Frankreich hat eine Velokultur und die Guemmeler gruessen uns Tourenfahrer!!!!!!!!

- Einkaufmoeglichtkeiten auch am Sonntag Morgen in Supermarchés

- WLAN/Wi-Fi vielerorts gratis

Achtung; die Campingplätze sind von Juli - Ende August waehrend den Schulferien in Frankreich sehr gut belegt.

Hier noch einige Zahlen zu unserer Reise fuer die Zahlen- und Statistikfreaks:

Total km 2055

Total Hm 33368

Zeit im Sattel 134 Std. 34 Min.

Plattfuesse 0

Defekte Michis Schuhsohle gebrochen, Silvias Bremshebel verlieren Oel. (1x ersetzt, 1x muss durchhalten bis Mona Ersatzteile nach Madrid bringt).

Wir gruessen Euch herzlich und hasta luego.

Michi und Silvia



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