Bericht 13.10.2009
Liebe Familie, liebe Freunde.
Wir sind in Madrid und somit bereits am Ziel der europaeischen Strecke unserer Reise. Fuer die letzten 50km in die Stadt hinein haben wir unsere Velos auf den Zug verladen. Das ging absolut problemlos und die Fahrraeder reisten erst noch gratis mit. Wir haben hier im Zentrum von Madrid ein Zimmerchen in einem Hostal gefunden. Unser Zimmer ist wirklich winzig klein, mit DU/WC im Gang, dafuer hat es eine Gemeinschaftskueche und ein sicheres Plaetzchen fuer unsere Velos ist auch vorhanden. Das Personal hat uns freundlich aufgenommen und wir freuen uns die naechsten 4 Naechte in einem richtigen Bett schlummern zu koennen.
Bereits in Frankreich war die Natur nicht mehr so satt gruen wie in der Schweiz, die Waelder nicht mehr so urchig und vielfaeltig wie bei uns, und die Provence war fuer unsere Begriffe doch schon recht braun und trocken, doch Spanien setzte noch einen drauf. Bereits kurz nach Jaca erreichten wir die Sierra und pedalten westlich von Zaragoza suedwaerts. Zur trostlosen Landschaft und dem Gestank zahlreicher Gefluegel- und Schweinemastbetriebe, gesellte sich alsbald ein starker und extrem muehsamer Wind dazu, der uns sehr schnell unsere Grenzen aufzeigte. Zahlreiche Windfarmen mit dutzenden von Windgeneratoren drehten Tag und Nacht und erinnerten uns jederzeit daran wer hier regierte.
Gluecklicherweise legte sich der Wind wieder etwas bzw. half auch mal von hinten mit, als wir auf dem Weg nach Calatayud, Molina de Aragon, Albarracin und nach Cuenca wieder in die Berge fuhren. Immer wieder verpflegten wir uns am Wegrand mit wilden Brombeeren, zuckersuessen Feigen oder stibitzten auch einmal ein paar Mandeln oder einen erntereifen Pfirsich direkt vom Baum.
Sehr schnell bemerkten wir weitere Unterschiede zu Frankreich. Zirkulieren in Frankreich vor allem kleinere Autos der Marken Peugeot, Citroen und Renault, ist die Markenvielfalt hier in Spanien wieder viel groesser, zudem duerfen es gerne auch etwas groessere Autos sein, am liebsten Modelle deutscher Hersteller und Gelaendewagen. Mit der Groesse der Automobile waechst auch die Koerperfuelle der Insassen.Die Einwohner Spaniens sind eindeutig "fetter" als ihre franzoesichen Nachbarn. Ob es wohl daran liegt, dass die Leute hier mit desayuno, almuerzo, comida, merienda und der cena um ca. 21.30 Uhr etwas viel und zu spaet abends zu sich nehmen? Oder liegt es doch auch an der fehlenden Bewegung vieler Menschen hier?
Zweifellos ist es der Gesundheit auch nicht foerderlich, wenn dann auch noch viel mehr geraucht wird als im Nachbarland. - Vor 6 Jahren, auf unserer ersten Spanienreise wechselten wir jeweils Traveller Cheques auf der Bank.Michi konnte es damals kaum fassen, als er sich in einer groesseren Ortschaft in einer Bank in die Warteschlange hinter dem Schalter stellte, und der Herr Bankbeamte mit dem Herrn Kunden vorne am "Tresen" genuesslich eine Zigarette rauchte und dem Kunden jeweils seinen Aschenbecher unter der Panzerglaschscheibe durchreichte.
Heute jedoch ist alles anders.. Grosse "prohibido fumar" Kleber mit durchgestrichener Zigarette verkuenden an den Tueren von Restaurants und Cafeterias das neue Rauchverbot in oeffentlichen Raeumen. Voller Vorfreude auf einen Kaffe mit etwas Suessem in rauchfreier Umgebung durchschreiten wir die Tuer mit besagtem Kleber einer Cafeteria in Cuenca. Die Aschenbecher auf den Tischchen irritierten uns dann schon etwas und kaum wurde unsere Bestellung ueberbracht, wurde auch schon deftig gequalmt links und rechts von uns......
Auch die Anzahl und Dichte der Campingplaetze unterscheidet sich stark von Frankreich und es war uns jeweils nicht immer moeglich einen Campingplatz zu erreichen. Gluecklicherweise eignet sich das viel duenner besiedelte Spanien aber auch viel besser zum wild zelten und Baeren gibt es ja auch keine mehr hier......
Jedes Mal wenn wir wild zelten mussten, fand sich auch ein geeignetes Plaetzchen und so erlebten wir die Natur hautnah und durften diverse wunderschoene Sonnenauf- und untergaenge bestaunen.Einmal uebernachteten wir in einem Wald bei Checa, zwischen Molina de Aragon und Albarracin.
Michi schlief bereits, als er von Silvias nervoesem Getue unsanft aus dem Land der Traeume gerissen wurde. "Du Michi, da haets aen Fuchs......"."Maus.....ich ha scho gschlafe.....mues das si....?". "Nei ehrlich.....dae Fuchs isch u gross und schlicht ums Zaelt umae und isch ueberhaupt noed schuech....!".. "Maus.....bittee.......nerv mi noed, waeg aemae Fuchs......biteeee!"
Aber da war es bereits passiert und Michi wach und genervt. Nach einigem Zoegern entschloss er sich, da er jetzt ja wach war, noch schnell pinkeln zu gehen. Er oeffnete den Reissverschluss des Innenzeltes und wollte wie immer mit den Fuessen in die bereitstehenden Flip Flops einfahren......"Maus....., da isch nur no ein Flip Flop......haesch du min Flip Flop versifft....?"
"Was nur no ein Flip Flop....vorher sind beidi no dete gsi vor dim Igang!"" Scheisse nomal.......haet de Fuchs jetzt wuerklich min Flip Flop klaut.....das gits doch gar noed......was soell ich jetzt mache mit nur no eim Flip Flop.....?"
Michi verbrachte eine unruhige Nacht und traeumte vom Fuchs der doch eigentlich Gaense stehlen sollte.Am naechsten Morgen durchsuchten wir auf Anraten Silvias die naehere Umgebung des Zeltplatzes und fanden schliesslich doch tatsaechlich den verschleppten Schlarpen. Noch heute kann man die Abdrucke deutlich erkennen die der Fuchs mit seinen spitzen Zaehnen im Kunststoff der Latschen hinterliess.
Nach Cuenca fuhren wir wieder durch flaches und langweiliges Oedland, dem Rio Tajo entlang nach Toledo, weiter nach Casaviejas und endlich wieder in die Berge ueber den wunderschoenen Puerto Mijares nach el escorial wo wir heute morgen den Zug nach Madrid bestiegen.
Die Wirtschaftskrise hat Spanien voll erfasst. Zeitungen, Fernsehen und Radio ueberbieten sich mit schlechten Nachrichten. Die Zahl der Arbeitlosen steigt explosionsartig an und soll Ende Jahr bei 4 Millionen Menschen liegen. Das Geld, dass fuer dieses Jahr fuer die Arbeitslosen budgetiert wurde, wurde bereits bis Ende September komplett aufgebraucht. Nun soll die Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent erhoet werden und die Experten streiten sich, ob das nun gut oder schlecht sei fuer das Land.
Der schlechten wirtschaftlichen Aussichten zum Trotz, sind die Menschen denen wir begegnen hoeflich und hilfsbereit, lachen viel und scheinen vorlaeufig nicht in Depression zu verfallen.
Am Donnerstag bringt Mona, eine gute Freundin von uns, die zufaellig nach Madrid reist, die benoetigten Ersatzteile fuer Silvias Bremse. Wir sind ihr sehr dankbar fuer diesen tollen Service.Am Freitag fliegen wir nach Kuba! Wie mag es wohl den Leuten dort ergehen......? Das Land ist ja wohl eine einzige Wirtschaftskrise und das nicht erst seit dem letztem Jahr......
Ihr werdet von uns hoeren. Vielen Dank an alle die uns schreiben, uns berichten und uns ermuntern. Wir freuen uns immer ueber Mails und sind gespannt wie es euch allen geht
Viele liebe Gruesse
Michi und Silvia
Km 3110
Hm 44800
Plattfuesse keine